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Wer ist die perfekte Mutter? Teil 1

Soll man mit Kind arbeiten oder nicht?

Angeregt durch die Frage einer Instagram Followerin, ob man mit Kind aufhören sollte zu arbeiten oder nicht, ist dieser Blogpost entstanden. Er soll niemandem vorschreiben, etwas zu tun oder zu lassen. Im Gegenteil, das sollte jeder für sich und seine Situation selbst entscheiden. Denn oft hängt die Entscheidung, ob man mit Kind weiter arbeitet, Teilzeit arbeitet, oder nur eine kurze Zeit pausiert, von der eigenen Situation ab. Natürlich spielen für diese Entscheidung einige andere Faktoren zusätzlich eine Rolle.

 

Aus der Sicht einer Mama, die aufgehört hat zu arbeiten.

Als ich schwanger wurde war ich 34 und hatte einen tollen Job in einer Werbeagentur im Medienbereich. Die Arbeitszeiten waren gerade zu Präsentationszeiten nicht  rosig. Oftmals mußten wir kurz vor Abgabe bis spät in die Nacht arbeiten und durften dann morgens auch wieder zeitig antanzen. Über die Schwangerschaft haben mein Mann und ich uns riesig gefreut, waren wir doch seit einem halben Jahr verheiratet. In der Werbeagentur herrschte zur Zeit meiner Schwangerschaft riesiger Trubel. Die ganze Agentur wurde umgebaut und wir haben einige große Kunden hinzubekommen. In der 14. Woche hatte ich traurigerweise eine Fehlgeburt und wurde aufgrund einiger Probleme etwas länger krank geschrieben. In dieser Zeit, die für mich sehr, sehr traurig war, habe ich mich entschieden, meinen Job zu kündigen. Für mich war der Streß in der Agentur der Grund für meinen Verlust. Einen Schuldigen mußte es für mich geben. Mein Mann hat einen guten Job und er war mit der Entscheidung einverstanden. Mein Chef aber nicht, so bot er mir einen Halbtagsjob an. Nach reifem Überlegen, nahm ich diesen an und ich erholte mich recht gut und das Arbeiten hat wieder Spaß gemacht. 4 Monate später war ich wieder schwanger.

 

Schwanger in eine neue Stadt

 

Und plötzlich kam alles auf einmal. Mein Mann wurde versetzt. In eine Stadt 300 km entfernt. Und ich schwanger. Die ersten 3 Monate wohnte er im Hotel und wir haben uns nur am Wochenende gesehen. Und das mit Angst, dieses Baby auch zu verlieren. Die Entscheidung, zu kündigen und komplett umzuziehen, war somit gefallen. Die Entscheidung zu kündigen haben wir übereilt getroffen. Ich hätte noch etwas arbeiten sollen, wäre in Mutterschutz gegangen und dann hätte ich

Elternzeit genommen. Immerhin hätte ich somit weiter Geld bekommen und wäre versichert gewesen. So hieß es … Schwanger in eine neue Stadt, ohne Job, teuer freiwillig selbst versichert. Alleine. Ohne meine Mama, ohne meine Schwester (die zu diesem Zeitpunkt schon drei Kinder hatte), ohne Freunde. Und mit einer mega Schwangerschafts-Übelkeit. Mit 24 Stunden Durchbrechen konnte ich mich in Kassel (unserer neuen Heimat) nicht nach Jobs umschauen. Und ganz ehrlich, wer stellt schon eine Schwangere ein. Im Mai 2001 wurde unser erster Sohn geboren und hat mich zum glücklichsten Menschen auf der Welt gemacht.

 

 

 

Wie bin ich aufgewachsen?

Ich würde mal sagen, ich hatte keine typische Kindheit. Ich habe eine Schwester, die nur 17 Monate älter ist. Mein Vater war Künstler und hatte sein Atelier zuhause. Meine Mama war “Hausfrau und Mutter”. Was für meine Freundinnen beneidenswert war, war für meine Schwester und mich oft anstrengend. Gott, was habe ich die spießigen Eltern meiner Freundinnen geliebt. Bei denen war alles geplant, geregelt und organisiert. Bei uns war es verrückt. Oft feierten meine Eltern Parties, es war laut und wenn ich morgens in die Schule ging, mußte ich mich selbst wecken und mir mein Schulbrot (auch in der Grundschule selbst machen). Meine Eltern haben noch geschlafen. Aber kamen wir aus der Schule, war immer jemand da. Meine Mama hatte gekocht, der Garten war schön und ich hatte immer jemanden zum Reden. Meine Hausaufgaben habe ich am Küchentisch gemacht, immer mit der Aussicht darauf, Hilfe zu bekommen. Meine Freundinnen hatten einen Schlüssel um den Hals (einen Hort hatten wir damals noch nicht), mußten ihr Essen selbst wärmen und waren oft bis zum Nachmittag alleine. Deshalb kamen oft alle mit zu uns. Besprachen ihre Probleme mit meiner Mutter, weil der Liebeskummer nicht bis zum Heimkommen der eigenen Mama warten konnte. Mein Papa, hat uns die Bundeswehr-Taschen bemalt (die waren damals in) und wir waren immer cool eingerichtet. Aber mir hat immer das Geregelte gefehlt. Die Sicherheit.

 

 

Das Leben mit Kind ohne Job

Ich wurde Mama. Gott, wie sehr habe ich dieses kleine Bündel von Menschlein geliebt (und liebe diesen mittlerweile 18-jährigen immer noch unermesslich). An einen Wiedereinstieg ins Berufsleben war zu dieser Zeit für mich undenkbar.

  1. wollte ich mich nicht von diesem kleinen Wesen trennen, um es schon so früh in fremde Hände zu geben
  2. mein Mann arbeitet in einer Führungsposition und hätte mich im Krankheitsfall des Babys nicht zu Haus ersetzen können
  3. ohne Oma oder andere Verwandte ist der Wiedereinstieg auch oft schwer
  4. gab es zu dieser Zeit nicht wirklich viele Werbeagenturen in meiner Stadt

So entschieden wir, dass ich erstmal zuhause blieb und mich selbst um unser Kind kümmern würde. Langweilig war mir dabei nie. Mit einem kleinen Kind zu Hause geht es rund und man ist eigentlich 24 Stunden beschäftigt. Aufräumen, putzen, waschen, stillen, kochen. Als unser Sohn 2 Jahre und 3 Monate alt war, wurde unser 2. Sohn geboren. Etwas früher als geplant. Ich habe mir gewünscht, das der Erste schon im Kindergarten wäre, wenn Nr. 2 kommen würde. Aber auch so war die Situation zu meistern. Mein Tag war nun noch voller mit zwei kleinen Jungs. Auch unseren 2. Sohn konnte ich mir so früh nicht in einer Fremdbetreuung vorstellen, so dass wir wieder entschieden, dass ich zuhause blieb. Dank meiner Kids lernte ich im Kindergarten und später auch in der Grundschule nette andere Mamis kennen, die auch zuhause geblieben sind. Wir haben uns öfters nachmittags getroffen, um mit den Kindern etwas zu unternehmen. Nein, nicht, weil uns langweilig war, oder wir etwa zu viel Zeit hatten. Im Gegenteil. Oftmals war ich von dem Tag so platt und müde, dass ich abends, beim Vorlesen eingeschlafen bin. Parties gab es keine mehr, schließlich musste man nachts zum Stillen raus. Und Kinder kennen kein Wochenende. Aber es war wunderschön, die ganze Entwicklung der Kids mitzubekommen. Das erste richtige Lächeln, die ersten Worte, die ersten Schritte …

 

Status in der Gesellschaft als Hausfrau und Mutter

Als mein 2. Sohn in die Grundschule kam, begann sich einiges zu ändern. Dadurch, dass beide Jungs erst gegen Mittag aus der Schule kamen, hatte ich morgens viel mehr Zeit. Die Wohnung war aufgeräumt, es blieb immer öfter Zeit übrig für mich selbst. Ich konnte mal wieder anfangen, an mich zu denken. Das blieb nämlich vorher irgendwie auf der Strecke. Aber die Zeit für sich zu nutzen, einfach etwas für sich u machen, wurde einem nicht wirklich gegönnt. Immer öfter wurde ich von Freunden gefragt, ob ich nicht mal wieder “arbeiten” gehen möchte. “Das ist doch auch wichtig für dein Selbstwertgefühl, Sandra”, “Du musst dich doch zu Tode langweilen zuhause, möchtest du deine Zeit nicht lieber sinnvoll nutzen?”, “Du solltest dir dringend einen Job suchen, damit du dir selbst etwas beweisen kannst”… Ich mußte mich fast schon entschuldigen, dass ich zuhause geblieben bin, um mich selbst um meine Kids zu kümmern. Das Wort “Helokoptermutter” wurde mir das ein oder andere Mal respektlos zugeworfen. (Heute sind meine Söhne 15 und 18, sehr selbstständig, können Wäsche waschen, kochen und haben richtig gute Manieren)

 

Wer entscheidet über deine Lebensplanung?

Warum mischen sich andere so in deine Lebensplanung ein? Das waren aber komischerweise auch immer diejenigen, die mich baten, ihre Kinder nach Geburtstagsfeiern mit abzuholen. Oder ich war immer diejenige, die Geschenke für Parties besorgen mußte, da ich ja so viel Zeit hatte, in deren Augen. Mütter, deren Kinder den Hort bis zum Schluß besuchten, obwohl genau diese Mütter “nur” 2 halbe Tage arbeiteten, eine Putzfrau hatten und noch von Oma und Opa in ihrem Streß unterstützt wurden.  Ich habe auch nie nachgefragt, warum sie ihre Kinder bis 17:00 Uhr im Hort lassen, obwohl sie zuhause sind. Oder gar geäußert, dass sie alleinerziehenden, berufstätigen Müttern den Platz weg nehmen, den diese viel dringender bräuchten. Es geht mich nämlich nichts an. Und jeder lebt so, wie er es möchte oder finanziell kann.

 

2 Comments

  • Monika

    Liebe Sandra!
    Das ist ein ganz wunderbarer Beitrag. Ich habe noch nie verstanden, warum andere Menschen sich immer wieder das Recht herausnehmen, das Leben der “Anderen” zu bewerten oder ungefragte Ratschläge reichlich verteilen.
    Ich habe mit 39 ungeplante Zwillinge bekommen. Obwohl nicht erwartet, waren sie uns höchst willkommen. Mein Mann und ich wären auch ohne Kinder glücklich, aber dieser unerwartete Hauptgewinn hat uns bisher 22 wunderbare – wenn auch oft anstrengende – Jahre beschert.
    Die ersten 3 Jahre war ich selbstverständlich zu Hause, danach musste ich aus finanziellen Gründen wieder arbeiten. Halbtags nur, aber ich habe es trotzdem bedauert. Je älter die Jungs wurden umso mehr dehnte ich meinen Job aus, durchaus gerne. Es hat mir Spass gemacht.
    Jetzt bin ich 61 Jahre und mein Arbeitgeber hat aus Altersgründen seine Praxis geschlossen. Darüber habe ich mich ehrlich gesagt gefreut, denn ich mache im Homeoffice auch die ganze Büroarbeit unseres kleinen Unternehmens. Da freue ich mich, dass ich endlich mal wieder etwas Zeit für mich habe! Und schon gibt es doch tatsächlich Menschen in meinem Umfeld, die mich fragen, warum ich mir nichts neues suche, schließlich bin ich doch noch nicht 66. Besonders die lieben Damen, die nie gearbeitet oder keine Kinder haben.
    Mein Mann und ich müssen darüber immer lachen!
    Liebe Grüße aus Hannover
    Monika

    • Sasko367

      Liebe Monika,
      vielen herzlichen Dank für dein liebes Feedback. Heute kommt Teil 2.
      Ja, es ist erstaunlich, dass andere meinen, einem Ratschläge zu erteilen. Vielleicht sind sie neidisch auf das, was man hat. Vielleicht meinen sie aber auch, im Leben alles richtig gemacht zu haben. Ich bin seit letztem Jahr selbstständig, Keiner weiß, was und ob ich zu tun habe. Trotzdem, kommen immer noch Ratschläge. Wohlgemerkt Ratschläge, keine Hilfsangebote. Würde ich auch gar nicht annehmen. Ich mußte immer alles alleine machen, schwanger in einer neuen Stadt, weit weg von Familie und Freunden. Bis jetzt hat es immer geklappt und wird auch weiterhin klappen. Aber manchmal denke ich auch, es wäre schlauer gewesen, imm so zu tun, als wäre ich völlig gestresst von meinem Leben. Da muß man nämlich viel weniger machen, da es immer wieder so “Doofe” wie mich gibt, die den gestressten anderen ihre Hilfe anbietet.
      Hab einen feinen Tag, auch mit Regen.
      Liebe Grüße aus Kassel
      Sandra

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