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Wer ist die perfekte Mutter? Teil 2

Familie und Job, was ist richtig, was ist falsch?

 

Um vorab nochmals deutlich zu sagen … es gibt kein richtig oder falsch. Es gibt keine Pauschalantwort auf die Frage, wer neben der Kinderbetreuung wann, wieviel, arbeiten muss, kann, soll. Wann und wie immer man sich dafür entscheiden, Familie und Beruf zu vereinbaren bzw. mit welcher Situation auch immer man zurechtkommen muß, man sollte darauf achten, dass sich alle Familienmitglieder – also auch man selbst – sich dabei möglichst wohl fühlt.

Es gibt viele gute Gründe, arbeiten zu gehen: man braucht das Einkommen für den Familienunterhalt, man muss oder möchte auf eigenen Beinen stehen. Die Berufstätigkeit macht auch finanziell unabhängig im Alter (eigene Altersvorsorge) oder bei einer Trennung (eigene soziale Absicherung, Krankenkasse, Arbeitslosengeld). Je kürzer man vom Arbeitsplatz weg war, umso leichter findet man natürlich danach wieder den Anschluss. Auch einmal errungene Positionen auf der Karriereleiter können besser verteidigt werden. Die Berufstätigkeit bedeutet für viele Eltern auch eine willkommene Abwechslung zu Hausarbeit und Kindererziehung, die häufig mit mehr Anerkennung und Lob verbunden ist, als der Alltag zu Hause. Ist man “nur” Hausfrau und Mutter, denken viele immer noch, man sitzt auf der Couch, schaut den Kids beim Spielen zu und lackiert sich die Fußnägel während man mit der Freundin telefoniert.

Unter diesem Link könnt ihr einmal sehen, was eine Mutter so leistet:

https://www.instyle.de/lifestyle/muetter-eigentlich-verdienen?utm_source=instyle_whatsapp&utm_medium=social&utm_campaign=whatsapp_morning

 

 

So viel sollten Mütter eigentlich verdienen

 

Wiedereinstieg ins Berufsleben als Mutter

Den Wiedereinstieg ins Berufsleben habe ich mir dann doch anders vorgestellt. In meinen ursprünglichen Job als Mediaplanerin in der Werbeagentur konnte ich nicht zurück. Die Arbeitszeiten passen einfach nicht zu einer Familie, ich war viel zu lange draussen und habe mich nicht weitergebildet. Nachdem die Stimmen nun auch in der eigenen Familie immer lauter wurden, ich müßte doch mal wieder “etwas tun”, beschloß ich, mich beim Arbeitsamt zu erkundigen. Ich war 42 Jahre alt, mein Ältester war in der 3. Klasse, mein Jüngster in der 1. Klasse. Die Schule endete um 12:00 Uhr. Mit mulmigen Bauchgefühl ging ich also zur Bundesagentur für Arbeit und wurde direkt auf den Boden der Tatsachen geholt. Vorgestellt hatte ich mir eine Auffrischung von Microsoft Office Anwendungen durch eine Schulung in einer Computerschule oder ähnlichem. Ich spekulierte nämlich damit, halbtags in einem Büro zu arbeiten. “Das sind Perlen für die Säue”, sagte mir meine äußerst sympathische und hilfreiche Sachbearbeiterin. “In ihrem Alter langt es gerade noch zur Pflege im Altenheim”. Hallo??? Ich war 42. Mein Kinderwunsch war abgeschlossen, ich wäre die perfekte Mitarbeiterin, würde ich ja nicht mehr durch eine Schwangerschaft ausfallen. Aber nein, das war es. Enttäuscht und wütend ging ich nach Hause, buchte mir selbst einen Computerkurs und bewarb mich auf freie Stellen. Nichts haute hin.

 

Nebenjobs, Aushilfsjobs, Weiterbildungen sind das Lösungen?

Ich würde lügen, wenn ich unglücklich gewesen wäre, keinen Job zu finden. Meine Kids waren unglücklich bei dem Gedanken, eventuell in den Hort zu müssen, ich genoß immer noch so sehr die Zeit, die wir zusammen verbrachten. Also nutzte ich meine freie Zeit anders und zwar für und mit meinen Kindern. Ich begleitete ihre Klassen bei Ausflügen, verkaufte Waffeln für die Klassenkasse, renovierte den Klassenraum meines Jüngsten, öffnete die Bücherei der Grundschule und vertrat kranke Lehrer bei der Aufsicht in den Klassen. Einen Lehrer unterstützte ich in seiner mehr als schwierigen 1. Klasse ein ganzes Jahr lang. Und immer kam die Frage “bekommst du dafür Geld?”. Nein, bekomme ich nicht, aber ich mache das, damit eure Kinder hier betreut sind und in der Bücherei das Lesen lernen. Im Übrigen habe ich den Kopf eurer kranken Tochter über der Toilette der Schule gehalten und sie 2 Stunden im Arm gehalten, bis dass sie endlich von der Oma abgeholt wurde. Und deinen Sohn habe ich getröstet, weil er seine Mama so vermisste, die für eine Woche beruflich verreist war. Es gab aber auch die berufstätigen Mütter, die ihren Kindern kleine Aufmerksamkeiten mitgaben mit ein paar lieben Zeilen. Wie dankbar sie dafür sind, dass ich mit ihrem Sohn lesen übe, dass ich die Klasse begleite und dafür sorge, dass keiner verloren geht … Diese Dankbarkeit kamen meist von den Mamas, die gerne zu Hause geblieben wären, sie es aber finanziell nicht konnten. Die Direktorin der Grundschule trat eines Tages auf mich zu und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, Grundschullehramt zu studieren.

 

 

Studium mit Kind

Das Einschreiben war mega easy für mich, wurden doch Kurse aus meinem Studium von vor über 20 Jahren angerechnet. Da taperte ich also mit meinem Jüngsten (er hatte Unterrichtsausfall wegen pädagogischem Tag) zum Erstsemester-Info-Tag in die Uni. Gott, kam ich mir doof vor unter all den Abiturienten. Aber da musste ich durch, schließlich war ich ja auf Jobsuche. Mein Mann (ja, den habe ich auch ;-)) sicherte mir seine ganze Unterstützung zu und fand das auch richtig toll, dass ich mal wieder etwas machte. Ich baute mir also meinen Vorlesungsplan zusammen und war überrascht, was da an Zeit weggehen würde. Und einige Kurse begannen  auch noch erst um 17:00 Uhr. Mir wurde schon etwas mulmig bei dem Gedanken, aber mein Mann beruhigte mich und sagte mir, er würde an diesem Tag seinen freien Tag nehmen, oder früher nach Hause kommen. Zu dieser Zeit war mein Jüngster in der 2. Klasse und mein Ältester stand kurz vor dem Wechsel aufs Gymnasium. Anfänglich wurde ich getragen durch Euphorie. Wir waren ein kleines Trüppchen von Studierenden mit Kind(ern). Nur waren die anderen Mamas wesentlich jünger, die Väter wesentlich relaxter und alle hatten eine Betreuung für ihre Kids. Zu einigen Vorlesungen konnte ich meinen Jüngsten mitnehmen. Ich raste zwischen den Vorlesungen zur Schule, holte ihn ab und raste zurück zur nächsten Vorlesung. Danach ging es schnell zum Einkaufen, denn Nr. 2 kam ja auch aus der Schule und hatte Hunger. Huch, da stand ja noch das Geschirr vom Frühstück und die Waschmaschine war auch schon fertig. Hausaufgaben “bewachen”, schnell die Betten machen, durchs Haus saugen, Wäsche aufhängen, mit dem einen zur Logopädie,  den 2. zum Freund fahren (weil die Helikoptermama ihren Sohn nicht eine 1/2 Stunde mit der Bahn fahren lassen wollte). Meinem Mann gesagt, wann er den Sohn bei welchem Freund wieder abholen muss und zurück zur Uni. In der Vorlesung dann die SMS von meinem  Mann beantwortet. “Henri sucht den Roboter mit dem roten Kopf, wo ist der?”, “Fynn fragt, ob er länger bleiben kann, geht das?”, “Mama, der Papa erlaubt mir nicht, Fernsehen zu gucken”, “Henri möchte Fernsehen schauen und ist jetzt beleidigt, weil ich nein gesagt habe”… Nach der Vorlesung schnell nach Hause, Abendbrot machen und an meine Mathe Aufgaben setzen und lernen.

 

 

 

Teil 3 folgt

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